Grundeinkommen

Grundeinkommen?

Grosser Rat, Schriftliche Anfrage: Der Vorschlag des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) ist, dass der Teil des Einkommens, den man unbedingt zum Leben braucht, allen bedingungslos gewährt wird. Befürworter dieses Paradigmenwechsels sehen darin die humanistische Antwort auf die Veränderungen in der Arbeitswelt aufgrund des technologischen Fortschritts oder auf das Auseinanderdriften der Schere zwischen den privaten Vermögen, sowie die damit verbundenen sozialen Herausforderungen der Gesellschaft.

Als erstes Land hat die Schweiz im Juni 2016 über die Umsetzung der Idee abgestimmt. Die Initiative «für ein bedingungsloses Grundeinkommen» wurde von der Schweizer Stimmbevölkerung abgelehnt. Im Kanton Basel-Stadt verzeichnete die Idee mit 36% Ja-Stimmen einen Achtungserfolg.

Vor der Abstimmung fragte der Grossrat Lorenz Nägelin in seiner Interpellation Nr. 58 (16.5220) nach den Auswirkungen der Vorlage für den Wirtschaftsstandort Basel und nach der Haltung des Regierungsrats. Da die Initiative die konkrete Umsetzung dem Gesetzgeber überlassen hätte, konnten die konkreten Auswirkungen nicht abgeschätzt werden. Der Regierungsrat lehnte die Initiative ab, weil er befürchtete, dass einzelne Personen ihre Erwerbstätigkeit einschränken oder sogar aufgeben würden, wodurch die Schweizer Volkswirtschaft Arbeits- und Fachkräfte verlieren könnte.

Mit der Covid-19 Pandemie rückte die Idee vom BGE im vergangenen Jahr wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona Pandemie hatten und haben massive Verdienstausfälle zur Folge. Viele Menschen gerieten neben der akuten Gesundheitskrise zunehmend auch in eine Einkommenskrise. Mit weitreichenden und grösstenteils ad hoc konzipierten Unterstützungsmassnahmen mussten Existenzen von Personen wie Unternehmen gesichert werden. Diskutiert wird unter anderem an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (D), ob das BGE auf diese Situation eine Antwort sein kann.

In diesem Zusammenhang bitte ich den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie hoch waren im Kanton Basel-Stadt die Kompensationszahlungen aufgrund der Covid-19 Pandemie in den Jahren 2020 und 2021? Zu welchem Anteil wurden diese Zahlungen an Personen, resp. zu welchem Anteil an Unternehmen geleistet?
  • Erachtet der Regierungsrat das BGE als denkbares Model für die Überbrückung von Einkommensausfällen aufgrund von ausserordentlichen Lagen wie einer Pandemie oder anderen Ereignissen mit ähnlichem Einfluss?
  • Wie hoch waren im Kanton Basel-Stadt die Auszahlungen für AHV, ALV, Sozialhilfe und Kinderzulagen in den Jahren 2009 bis 2019 im durchschnittlichen Total pro Jahr? Wie hoch belief sich der administrative Aufwand dafür seitens Verwaltung?
  • Erachtet der Regierungsrat das BGE als denkbares Model für den generellen Ersatz von AHV, ALV, Sozialhilfe und Kinderzulagen?
  • Hat der Regierungsrat bereits in Betracht gezogen, das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) im Rahmen eines Pilotprojekts im Kanton Basel-Stadt vertieft zu prüfen?

Ist das bedingungslose Grundeinkommen ein möglicher Weg? Ich bin gespannt auf die Antworten der Regierung. Sie hat drei Monate Zeit dafür.

Online: Grosser Rat, Geschäftsverzeichnis, Nr. 22.5034
Schriftliche Anfrage Johannes Sieber betreffend bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
Geschäftsverzeichnis Grosser Rat

Website
Initiative Grundeinkommen, 2019
Initiative Grundeinkommen 2019, Website

Online: Watson, 21.09.2021
Neuer Versuch für ein Grundeinkommen in der Schweiz – und wer dafür bezahlen soll
Watson

Fernsehen: SRF, Eco Talk, Reto Lipp, 13.09.2021
Ökonom Thomas Straubhaar und Ökonomin Monika Bütler zum Grundeinkommen
Schweizer Radio und Fernsehen

Online: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 11.08.2021
Bedingungsloses Grundeinkommen als Krisenprävention
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Website
Initiative Grundeinkommen, 2016
Initiative Grundeinkommen 2016, Website

Online: Der Bundesrat, Volksinitiativen, 2016
Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen»
Portal der Schweizer Regierung, Volksinitiativen

Foto zur Notiz: Annie Spratt